Inspirierende Begegnungen für Kursleitende
Dopamin als Treibstoff für's Lernen
Und wenn ein so charismatischer Referent wie Prof. Dr. Lutz Jäncke auftritt, wird aus einem Weiterbildungsanlass schnell ein Erlebnis, das nachhaltig wirkt. Der renommierte Neuropsychologe Prof. Dr. Lutz Jäncke, emeritierter Professor der Universität Zürich, zählt zu den weltweit einflussreichsten Forschern seines Fachs. Mit seinen pointierten Beispielen und einer Prise Selbstironie verwandelte Jäncke die Druckerei Baden in ein lebendiges Lernlabor. Etwa mit Aussagen wie: «Wiederholung ist die Mutter des Lernens.» oder mit dem simplen, aber wahren Satz: «Use it or lose it.»
Eines der zentralen Themen war die Rolle des Dopamins: Ohne die kleine Dosis dieses Glücksbotenstoffs läuft im Gehirn nichts. Lernen, Motivation und Veränderung hängen untrennbar mit Belohnungssystemen zusammen. «Wir Menschen sind und bleiben hedonistische Wesen – süchtig nach Dopamin», fasste Kursleiter Serge Grünwald seine Eindrücke zusammen. «Lernen funktioniert im Kern noch immer wie vor 3000 Jahren, und Selbstmotivation ist nach wie vor die Königsdisziplin.» Auch Catia Wälchli, Event-Organisatorin, zeigte sich inspiriert: «Es war faszinierend zu sehen, woher unsere täglichen Gedanken stammen, und welch komplexes Wunderwerk dahintersteckt. Der Workshop hat mich motiviert, unsere Denkweisen bewusster zu nutzen – beim Lernen und im Alltag.» Diana Binder Wettstein, Co-CEO der Lernwerkstatt, fasste es treffend zusammen: «Mir wurde einmal mehr klar, dass sich die Biologie des Lernens auch durch KI nicht ändern wird – aber unsere Lernumgebung und die Lerninhalte schon.»
Lernen funktioniert am besten über Emotionen, Geschichten und soziale Interaktion
Der Referent warnte aber auch davor, digitale Faszination über zu bewerten. Denn: Trotz KI, Chatbots und Avataren bleibe der Mensch ein soziales Wesen. «Avatare faszinieren uns zwar, aber am Ende brauchen wir echte soziale Kontakte – die kann KI nicht ersetzen.» Im Unterricht bedeute das: Lernen funktioniert am besten über Emotionen, Geschichten und soziale Interaktion – über das sogenannte episodische Gedächtnis. Faktenwissen allein bleibe flüchtig, doch was uns berührt, bleibt haften. Die Botschaft an die Kursleitenden: Inhalte lebendig machen, Geschichten erzählen, Neugier wecken.
Im Unterricht solle man sich also vor allem auf das episodische Gedächtnis konzentrieren (Geschichten, Emotionen) und nicht auf das semantische Gedächtnis (Faktenwissen).
Daraus folgt – so Daniel Herzog, Co-CEO der Lernwerkstatt Olten: «Wir Kursleiter/innen müssen herausfinden für was sich die Lernenden interessieren. Man erzeugt immer Interesse, wenn man Inhalte mit Episoden, Geschichten vermittelt.»
Fitness-Gyms für das Gehirn
Eine weiterer Punkt: Lernmechanismen funktionieren seit Jahrhunderten immer gleich. Nur die Umstände ändern sich – seien es die Lebensumwelt oder die Lerninhalte. Was wir vor 50 Jahren als wichtig erachteten ist heute oft nicht mehr relevant. Ergo: Auch wenn sich Technologien rasant verändern – das Lernprinzip bleibt dasselbe. «Lernen wird sich nie verändern. Nur das, was wir lernen, verändert sich», doppelte Jäncke nach. Während KI künftig viele kognitive Aufgaben übernehmen wird, bleibt die Frage: Wie halten wir unser Gehirn fit, wenn wir vieles nicht mehr selbst tun müssen? Und dann wagte er eine Vision: «So wie wir heute ins Fitnessstudio gehen, um Muskeln zu trainieren, wird es künftig Gyms fürs Gehirn geben.» Nach zwei intensiven Stunden voller Gespräche und einem Tapasbuffet stand fest: Dieser Abend hat Spuren hinterlassen – im Kopf, im Herzen und im pädagogischen Alltag.